
Nicht die Realität, sondern von der Politik beauftragte Modellierer schufen absurde Schreckenszenarien, mit denen die Corona-Maßnahmen „gerechtfertigt“ wurden

Der Datenanalyst Tom Lausen, der im Südtiroler Landtag im Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Politik als Sachverständiger eingeladen war, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Rolle mathematischer Modellierungen während der Corona-Krise.
Nach Lausens Analyse wurden politische Entscheidungen weltweit nicht auf Basis realer Daten, sondern auf Grundlage von worst-case-Szenarien getroffen, die aus hochgradig unsicheren und verkürzten Modellannahmen hervorgingen. Diese Modelle standen von Beginn an in einem politischen Kontext und dienten ausdrücklich der Steuerung staatlicher Maßnahmen – nicht der neutralen Beschreibung der Realität.
Nach Auswertung der Präsentationen der Fondazione Bruno Kessler (FBK) zeigt sich zudem, dass diese Modellierungen in mehreren Ländern ausdrücklich auf politische Beauftragung hin erstellt wurden. Auch in Italien erfolgte die Modellierung im direkten Auftrag staatlicher Stellen, insbesondere im Kontext des technischen wissenschaftlichen Komitees (CTS), um konkrete Maßnahmenoptionen zu bewerten und zu steuern.
Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Schweiz. Nach Lausens Bewertung wurden solche Modellierungen faktisch als politisches Druckmittel eingesetzt: Szenarien mit extremen Todeszahlen wirkten wie eine bedrohende Kulisse, die auch auf höchste politische Entscheidungsträger erheblichen Handlungsdruck ausübte und alternative Strategien in den Hintergrund drängte. Der damalige Bundespräsident Alain Berset berichtet selbst, dass im Rahmen internationaler Abstimmungen ein Szenario diskutiert wurde, wonach ohne vollständige Schließung mit 100.000 Toten zu rechnen sei. Gleichzeitig räumt er ein, dass er sich nicht ausschließlich auf diese Modellrechnungen verlassen durfte.
Für Lausen zeigt dieses Zitat exemplarisch, unter welchem Druck politische Entscheidungsträger standen: Regierungen wurden frühzeitig mit extremen Prognosen konfrontiert, die geeignet waren, weitreichende Maßnahmen alternativlos erscheinen zu lassen.
Diese Dynamik bestätigt sich auch international. Modelle des Imperial College unter Leitung von Neil Ferguson prognostizierten in mehreren Ländern dramatische Todeszahlen. #Für Schweden wurden beispielsweise bis zu 85.000 Todesfälle angenommen, würde Schweden nicht in den Lockdown gehen. Tatsächlich lagen die Todeszahlen jedoch um ein Vielfaches darunter.
Selbst der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell erklärte rückblickend, dass die verwendeten Modellparameter, die weltweit kursierten, extrem gewesen seien und man deshalb bewusst auf eigene, datenbasierte Analysen gesetzt habe.
Lausen sieht darin ein strukturelles Problem: „Wir haben es mit einer globalen Kaskade von Modellannahmen zu tun, die sich gegenseitig verstärkt haben. Extreme Szenarien wurden politisch kommuniziert, ohne dass ihre Voraussetzungen ausreichend geprüft wurden und offenbar gerade deshalb für die Durchsetzung weitreichender Maßnahmen politisch benötigt wurden.“
Zugleich zeigen wissenschaftliche Analysen selbst, dass Modelle keine verlässlichen Vorhersagen liefern konnten und auf unsicheren Annahmen beruhen. Sie dienten vielmehr als Werkzeuge, um politische Optionen zu simulieren und Entscheidungen zu legitimieren. Damit verschob sich die Rolle der Wissenschaft: weg von empirischer Analyse, hin zu einem Instrument politischer Steuerung.
Besonders brisant sind Lausens eigene Auswertungen von Sterbedaten auf regionaler Ebene. Für Südtirol und weitere Regionen zeigen die Daten in den Wochen bis zum 1. März 2020 keinerlei Hinweise auf eine außergewöhnliche Sterblichkeit. Im Gegenteil: Die Sterblichkeit lag teilweise unter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019.
Damit widersprechen reale Daten den später verbreiteten Annahmen, wonach das Virus bereits frühzeitig flächendeckend zirkuliert und zu einer unkontrollierten Ausbreitung geführt habe. Zugleich weist Lausen darauf hin, dass die Annahme einer bereits frühzeitig flächendeckenden Viruszirkulation im Widerspruch zu den beobachteten Sterbedaten steht. Ein Virus, das bereits über Wochen zirkuliert, ohne erhöhte Sterblichkeit zu verursachen, und erst zeitgleich mit politischen Maßnahmen plötzlich zu massiver Übersterblichkeit führt, ist epidemiologisch nicht plausibel. Für Lausen deutet dies darauf hin, dass die entsprechende Annahme in den FBK-Modellen selbst eine zentrale Fehlannahme darstellt.
Für Lausen ergibt sich daraus ein grundlegender Befund: „Die politischen Maßnahmen wurden nicht durch sichtbare Krisensignale ausgelöst, sondern durch modellierte Szenarien. Diese Szenarien basierten auf Annahmen – nicht auf Beobachtungen.“
Besonders kritisch bewertet er, dass Modelle systematisch vereinfachten und zentrale Einflussfaktoren wie regionale Unterschiede, Altersstruktur oder lokale Cluster nicht ausreichend abbildeten. Gleichzeitig wurden ihre Ergebnisse als scheinbar objektive Grundlage für tiefgreifende Eingriffe in Gesellschaft, Wirtschaft und Gesundheitsversorgung genutzt.
Lausen fordert daher eine umfassende Aufarbeitung der Rolle mathematischer Modellierungen in der Corona-Politik. Dabei müsse insbesondere geklärt werden, wie politische Entscheidungsprozesse, wissenschaftliche Unsicherheit und mediale Kommunikation miteinander verknüpft wurden – und warum extreme Szenarien eine derart dominante Rolle spielen konnten.
RA/Avv. DDr. Renate Holzeisen
Abgeordnete zum Südtiroler Landtag – Membro del Consiglio della Provincia Autonoma di Bolzano
Fraktion VITA – Gruppo Consiliare VITA
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