Der Südtiroler Landtag braucht weniger „Perspektiven von außen“, als die Schärfung seiner eigenen Sinne
Im Anschluss an die fragwürdige Veranstaltung im Südtiroler Landtag vom vergangenen Freitag „Südtirol im Dialog – Perspektiven von außen“ und des in der Neuen Südtiroler Tageszeitung erschienen Artikels „Der Eklat“
betreffend meiner Wortmeldung zur äußerst fragwürdigen Rolle der Systemmedien für die Polarisierung in der Bevölkerung (siehe hier den betreffenden Ausschnitt der RAI Südtirol Sendung https://youtu.be/RVr1dHMuQzY?is=d1ot7d1iF_9e6Bb )
habe ich den nachfolgenden Offenen Brief an den scheidenden Landtagspräsidenten Arnold Schuler gesandt:
„Vergangenen Freitag nahmen auf Einladung der Südtiroler Volkspartei – ohne Absprache mit den Vertretern der anderen Fraktionen – Journalisten von Systemmedien, die durch brutale Desinformation (auch in Bezug auf den Ukrainekrieg) und Verunglimpfung der Corona-Maßnahmengegner geglänzt haben, an einer Podiumsdiskussion in der Aula des Landtages teil. Dabei wurden wiederholt die sozialen Medien (und damit letztendlich auch die Südtiroler Bürger, denn die sozialen „Medien“ sind reine Plattformen) für die Polarisierung in der Gesellschaft angeprangert.
Deshalb stellte ich – in Vertretung der vielen Südtiroler Bürger, die sich spätestens seit 2020 von den Systemmedien wegen ihrer kritischen und fragenden Haltung zu wesentlichen Themen wie Autoritarismus und Kriegstreiberei – verunglimpft sahen, die Frage, ob die drei anwesenden Journalisten nicht auch bei den Systemmedien selbst eine große Verantwortung für die Spaltung der Gesellschaft sehen.
Keiner der drei Angesprochenen hat letztendlich auf meine Frage geantwortet, sondern Alessio Lasta (La7) hat seine, mit einem „Qualitätsjournalismus nichts gemein habende, generelle Untergriffigkeit gegen Impfgegner ausgepackt (er war in den sog. Corona-Jahren als „ Impfgegnerjäger“ aufgefallen … es ist eine Schande, in einer Zeit wo es dem Südtiroler Landtag angeblich um die „Befriedung“ der Gesellschaft geht, einen solchen „Meinungsagitator“ als angeblichen Vorzeigejournalisten in die Aula des Landtages einzuladen) und Markus Lanz hat in seiner Intention durchschaubar mit einer völlig belanglosen Begegnung mit einem Irgendjemand im Nirgendwo in Texas demonstrieren wollen, dass die US-Amerikaner, weil zu zwei Drittel „nicht mehr den großen Networks folgend“ vorwiegend dem Irrglauben verfallen wären. Markus Lanz war in den vergangenen Jahren durch einen äußerst verwerflichen Umgang in seiner Sendung mit Kritikern der Regierung (letztendlich seinem Brotgeber) aufgefallen (siehe z.B. Ulrike Guérot).
Markus Lanz blendet freilich bewusst aus, dass einer der größten Journalisten der aktuellen Zeit, Tucker Carlson, das große US-Network Fox verlassen hat, weil man ihn dort politisch gängeln wollte, und auf X mit ca. 18 Millionen Followern echten Journalismus betreibt, und nicht ohne Grund mittlerweile als Staatsfeind Nr. 1 bei Trump und der Netanyahu-Regierung gilt.
Die Sendung wurde übertragen von Rai Südtirol, das sich bei wichtigen Themen ebenfalls durch Desinformation und Zensur kennzeichnet (hat die RAI bspw. darüber berichtet, dass ärztliche Leiter Südtiroler Krankenhäuser erklären, systematisch die Fachinformation zu den von ihnen eingesetzten und beworbenen Medikamenten nicht zu lesen? … in einer von echtem Journalismus gekennzeichneten Situation, würde diesem für die Gesundheit und das Leben der Bevölkerung enormen Skandal von Journalisten nachgegangen … in Südtirol herrscht – wie so oft – „omertà“).
Die Moderatorin wollte mir die Antwort auf eine mir von Alessio Lasta provokativ vor den Südtiroler Zuschauern gestellte Frage unterbinden. Dabei ist der Südtiroler Landtag freilich nicht der Ort, an dem wir von den Bürgern gewählten Landtagsabgeordnete uns von sich in Desinformation und Provokation übenden „Meinungsagitatoren“ in einer von Steuergeld aller Südtiroler finanzierten Sendung ohne Recht auf Antwort „vorführen“ lassen müssen.
Wenn dann diese Rai-Moderatorin, nach der mit offenkundiger manipulativer Intention von Lanz gebrachten skurrilen Geschichte der Begegnung mit einem Irgendjemand im Nirgendwo in Texas, die Sendung mit dem Hinweis darauf abschließt, dass 30 Prozent der US-Amerikaner nicht mehr der WISSENSCHAFT“ vertrauen, dann war dies das definitive outing dafür, wie tief der angebliche „Qualitätsjournalismus“ gefallen ist, denn die Erwartung an die Bürger von blindem „Vertrauen in die WISSENSCHAFT“ ist blanker Unsinn, nachdem es „die WISSENSCHAFT als Gral der Wahrhaftigkeit“ nicht gibt, die Wissenschaft in einer notwendigen Auseinandersetzung zwischen These und Antithese sich ständig fortentwickelt, und der „Systemjournalismus“ sich daher exakt so gebärdet, wie die Inquisition zu Zeiten Galileo Galileis … das Schlimme ist nur, sie merken es nicht.“
Ich musste gestern die Fraktionsführersitzung des Südtiroler Landtages wegen der Teilnahme an einer nationalen Sendung zu gesundheitspolitischen Maßnahmen vorzeitig verlassen, und konnte daher meine Kritik an dem Schauspiel, das sich vergangenen Freitag in der Aula des Südtiroler Landtages bot, dort leider nicht persönlich deponieren, hatte aber bereits vorher dem Landtagspräsidenten den Offenen Brief übermittelt, der freilich in der Fraktionsführersitzung nicht zur Sprache kam.
In der Gewissheit, dass ich nicht die einzige Fraktionsführerin bin, die nicht einstimmt in den Lobgesang auf den „Meinungsagitator“ Alessio Lasta und auf Markus Lanz – u.a. wegen dessen äußerst befremdlichen Umgang mit der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Ulrike Guérot in seiner Sendung vom 2. Juni 2022, in der er gemeinsam mit zwei seiner Gäste, in einer ihn als Moderator zutiefst disqualifizierende Weise, eine gemeinsame massive verbale Front gegen die Politikwissenschaftlerin und Friedensaktivistin Ulrike Guérot eröffnete und sein eigenes kriegstreiberisches Credo offenbarte. Das was sich in dieser Sendung abspielte war für echte Demokraten einfach nur widerlich und hat mit Qualitätsjournalismus und einer fairen Moderation Nichts, aber auch Nichts zu tun. Auf so etwas brauchen wir Südtiroler sicher nicht stolz zu sein:
https://youtu.be/jk-boUZmh0Y?is=_cmifXjc0vuJkT6T
https://youtu.be/lbUKgef0-i8?is=uKktBqkL9ibRKmoD
Aus diesem Grunde war ich nicht die einzige Landtagsabgeordnete (und Fraktionsvorsitzende), die alles andere als begeistert war, als uns der Landtagspräsident nach bereits vollzogener Einladung mitteilte, wer uns im Südtiroler Landtag „beehren“ und uns eine „Perspektive von außen“ geben sollte.
Perspektiven von Kriegstreibern und Meinungsagitatoren brauchen wir im Südtiroler Landtag mit Verlaub nicht!
RA/Avv. DDr. Renate Holzeisen
Abgeordnete zum Südtiroler Landtag
Fraktion VITA
